Wie sicher sind Leichtkraftfahrzeuge wirklich?
Leichtkraftfahrzeuge der Klasse L6e – also 45-km/h-Fahrzeuge, die schon ab 15 Jahren mit Führerschein AM gefahren werden dürfen – gewinnen zunehmend an Bedeutung. Sie gelten als praktische Lösung für Jugendliche, ältere Menschen und Pendler auf kurzen Strecken. Doch wie steht es um die Sicherheit dieser Fahrzeuge?
Der wichtigste Unterschied zu Mopeds oder Rollern:
L6e-Fahrzeuge bieten eine geschlossene Fahrgastzelle.
Türen, Sicherheitsglas und definierte Strukturzonen schützen vor Witterung und vor direktem Kontakt bei einem Unfall. Dadurch werden typische Zweiradrisiken – Stürze oder seitlicher Aufprall – vollständig vermieden.

Moderne Modelle besitzen Gurte, robuste Zellstrukturen und häufig Assistenzfunktionen wie Rückfahrkameras, Tagfahrlicht oder optionales ABS. In Verbindung mit der begrenzten Höchstgeschwindigkeit entsteht ein Umfeld, in dem Unfälle deutlich weniger Energie entwickeln als bei Pkw.
Für Personen ohne Pkw-Führerschein oder mit Mobilitätseinschränkungen sind L6e-Fahrzeuge daher oft eine sicherere Alternative zu Fahrrad oder Roller.
Physik und Technik: realistische Sicherheitsgrenzen
L6e-Fahrzeuge wiegen leer 450 bis 500 Kilogramm, also deutlich weniger als ein Pkw. Dadurch unterscheiden sich die Kräfte, die bei einem Unfall wirken. Eine pauschale Abwertung ergibt sich daraus jedoch nicht. Die meisten Unfälle im L6e-Bereich passieren bei niedrigen Geschwindigkeiten im Stadtverkehr oder auf kurzen Landwegen – und genau dafür sind die Fahrzeuge konstruiert. Die Kombination aus stabilem Innenraum und flexiblen Außenmaterialien sorgt dafür, dass viele Aufprallsituationen gut abgefangen werden.
Was fehlt, sind Airbags – der deutlichste Abstand zum Pkw-Standard. Dreipunktgurte reichen für das Geschwindigkeitsniveau zwar grundsätzlich aus, doch ein Fahrerairbag wäre ein sinnvoller und wünschenswerter Fortschritt.
Assistenzsysteme wie ESP sind in dieser Fahrzeugklasse nicht üblich. Aufgrund der niedrigen Masse und Geschwindigkeit entstehen die typischen ESP-Eingriffssituationen jedoch so gut wie nie. ABS ist optional verfügbar und kann bei Nässe unterstützen, braucht bei 45 km/h aber nur selten einzugreifen.
© GAMMA Fahrzeuge – 3D-Scan eines Aixam nach Überschlag
Fahrverhalten und Alltagstauglichkeit
L6e-Fahrzeuge sind kompakt konstruiert, leicht und wendig – ideal für Stadtverkehr und enge Straßen. Trotz kleiner Abmessungen zeigen moderne Modelle eine stabile Straßenlage.
Einflussfaktoren wie Seitenwind spielen aufgrund der niedrigen Geschwindigkeit kaum eine Rolle; selbst deutlich schnellere Kleinstwagen mit ähnlichen Proportionen verhalten sich unkritisch.
Auch die Bremsleistung ist für die Fahrzeugklasse ausreichend: gängige Reifenformate wie 145/75 R13 bieten genügend Aufstandsfläche, um ein Leichtkraftfahrzeug sicher zu verzögern.
Landstraße: theoretische Bedenken – praktisch selten ein Problem
Immer wieder wird diskutiert, ob L6e-Fahrzeuge auf Landstraßen ein Risiko darstellen.
Theoretisch können große Geschwindigkeitsunterschiede schwierig sein.
Praktisch zeigt sich jedoch:
- Der Verkehr ist an langsamere Fahrzeuge gewöhnt – Traktoren, Fahrräder, Baumaschinen.
- Auffahrunfälle mit L6e sind extrem selten.
- Werkstätten, Händler und Versicherer berichten kaum Fälle schwerer Landstraßenunfälle.
Ein Zusammenstoß mit einem schnelleren Fahrzeug bleibt natürlich unangenehm. Doch das Risiko ist nicht höher als bei anderen langsamen Verkehrsteilnehmern, und die Fahrgastzellen moderner L6e zeigen in der Praxis viel Stabilität.
Für junge Fahrer ein sinnvoller Einstieg
Ein Teil der Nutzer sammelt im L6e die ersten Fahrerfahrungen. Das bringt Unsicherheiten mit sich, aber auch Vorteile:
Wer bei 45 km/h einen Fehler macht, hat ein weit geringeres Risiko als jemand, der erst mit 18 in ein 150-PS-Auto steigt.
Für viele Jugendliche ist das L6e daher ein kontrollierter, sicherer Einstieg in den Straßenverkehr – und eine deutlich bessere Option als das Fahren auf zwei Rädern.
Fazit
Leichtkraftfahrzeuge der Kategorie L6e bieten ein solides Sicherheitsniveau für das Einsatzgebiet, für das sie entwickelt wurden: kurze Strecken, Stadtverkehr und alltägliche Fahrten mit moderaten Geschwindigkeiten.
Sie sind geschlossen, wetterfest und deutlich sicherer als jedes Zweirad.
Ihre Grenzen liegen vor allem beim fehlenden Airbag und der geringeren Masse im Vergleich zu Pkw.
Wer diese Rahmenbedingungen kennt und das Fahrzeug entsprechend nutzt, erhält eine praxisnahe, sichere und alltagstaugliche Mobilitätslösung, die vielen Menschen den Alltag erleichtern kann.